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Rezension: SAN TROPEZ

San Tropez, Rezension: SAN TROPEZ

Hintergrund:

Dieses Mal habe ich mich auf der Suche nach einem humvorvollen Roman beim Transit-Verlag umgeschaut.

Ein auffälliges, feines Programm: literarische Fundstücke und Überraschungen, politische Romane, getarnt als aufregende Krimis, ungewöhnliche Biographien, frische Kulturgeschichten oder auch elegante Frechheiten wie das »Biographische Lexikon vom literarischen Scheitern«.

Nach einigem Suchen bin ich dann auf das Buch „San Tropez“ gestoßen. Eine Geschichte über vier Männer, die sich nach 35 Jahren wieder sehen. Lebenskünstler, Frauenhelden, Schlagzeuger und allgemein eine unangepasster Truppe „greifter“ Männer. In meinen Augen ist das die Grundlage für eine „elegante Frechheit“!

Inhalt:

San Tropez, Rezension: SAN TROPEZIn wunderbar komischen Szenen und Rückblenden treffen die Leser auf eine unangepasste Truppe von inzwischen »gereiften« Männern, die immer noch ziemlich verrückt sind, unrealistische Träume haben, grandiose Frechheit praktizieren und auch im Scheitern, damals wie heute, Souveränität zeigen.
Vier Männer treffen sich nach 35 Jahren wieder: MITCH, Lebenskünstler, Frauenheld, begleitet von seinem Hund Boris. FRISÖR, Trinker und arbeitslos, genialer Schlagzeuger; BENZ, der es zu Eigenheim samt Sauna gebracht hat. Und der ICH-Erzähler, seit 28 Jahren Trainer einer viertklassigen Fußballmannschaft. Mit ihrer Punkrock-Band »Mitch and The Lazenbees« haben sie in ihrer Jugend fast alles erlebt, was man in den schrägen achtziger Jahren erleben konnte. Das Treffen hat einen Grund: Es geht um 500.000 , um einen Wettbewerb ehemaliger Amateurbands (Ü 50), die sich um den hochdotierten Preis eines Fernsehsenders bewerben können.
OTTO, der fünfte in der Band und Akkordeonspieler fehlt… Seine Stelle übernimmt Yilka, eine albanische Akkordeonmeisterin, im Hauptberuf allerdings Sexarbeiterin, was das Ganze nicht einfacher macht.

Fazit:

Ein Cover, dass mehr als unangepasst ist und eine Geschichte die dazu passend inszeniert wurde. Gleichzeitig bekommt man dann auch noch Kapitel vorgelegt, die mit Namen wie „Ich“, „Mitch“, „Dave“ usw. anfangen und damit total aus dem standardmäßigem Raster fallen. Ein stimmiges, authentisches Gesamtkkonzept des Autors Dietmar Sous.

Es sind Geschichten, die einem helfen abzuschalten. Einfach mal wieder etwas träumen, die Unbeschwertheit des Lebens genießen und sich über die tollpatschigen Aktionen der Figuren amüsieren. Aber das Buch weißt gleichzeitig auch ungeahnte politische Seiten auf, so wie es sich für eben Musiker gehört, und regt einen damit zum Mitdenken an.

Genau so wie die Charaktere gestaletet sind, stelle ich mir Punkbands vor. Sie verkörpern alles, was gegen das System geht. Sie trampen durch die Gegend, schlagen sich mit geklautem Kleingeld durch, fahren im Zug schwarz und überzeugen einfach als Lebenskünstler.

Aber auch der Schreibstil des Autors ist gut gelungen. Er schafft es mit wenigen Worten eine elegante Szene aufzubauen, die genug Raum für eigene Gedanken lässt. Ein Roman, den ich definitiv noch ein zweites Mal oder auch noch öfter lesen werde!

Kommentar:

Dietmar Sous, 1954 in Stolberg (Rheinland) geboren, überlebte dort eine Leistenbruchoperation und das altsprachliche Goethe-Gymnasium. Mit 27 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman »Glasdreck« (1981 im Rotbuch Verlag). Seither zahlreiche Veröffentlichungen von Erzählungen und Romanen, zuletzt 2012 »Sweet about me« (Knaus).

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