Skip to content

Rezension: Nachtgeschwister

Kunstmannverlag, Rezension: Nachtgeschwister
Kunstmannverlag, Rezension: Nachtgeschwister

Verlag: Antje Kunstmann Verlag
Autor: Natascha Wodin
Titel: Nachtgeschwister
Seiten: 256

Hier bestellen


Inhalt:

„Ich wusste sofort, dass ich auf etwas Großes gestoßen war, auf etwas Einmaliges, auf einen Dichter, wie es sie zu allen Zeiten nur vereinzelt gegeben hat.“ Ein Bändchen mit Gedichten ist der Auslöser für eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, eine Obsession, eine quälende Verstrickung. „Schon von den ersten Zeilen ging eine Kraft aus, ein Licht, eine Dunkelheit, ein Schmerz, eine Schönheit, eine Wucht“ – so erzählt die Frau, die die Gedichte liest –, „dass sich die Welt in einem einzigen Augenblick für mich verändert hat, weil es in ihr jetzt diese Stimme gab.“ Die Stimme des Seelenverwandten, die Stimme eines Verlorenen. Nun setzt sie alles in Bewegung, um den Autor dieser Gedichte zu treffen, der unerreichbar ist im anderen Teil Deutschlands. Sie schreibt, sie ruft an. Als er eines Tages tatsächlich kommt, wird ihr Traum wahr. Und zum Albtraum. Denn der Mann, der kommt und bleibt, ist anders, als sie ihn sich erfunden hat.


Fazit:

Ich wage zu behaupten: Nahezu alles Wissen, das nicht Wissen um uns selbst ist, ist umsonst. – Imre Kertésrz

Von Beginn an merkt man, dass es sich um eine sehr tiefgründige und mitfühlende Geschichte handelt. Die Handlung spielt sich dabei 3 Jahre vor dem Mauerfall und in den Jahren danach ab. Eine russische Emigrantin in Westdeutschland entdeckt überraschend ein Gedichtsband von Jakob Stumm. Getrieben von innerer Zerrissenheit und Identitätsverlust ist sie auf der Suche nach Halt. Und die findet sie in seinen Worten. Es entsteht ein tiefsitzender Drang, der nach und in eine verstörende Sucht endet, den Autor kennenzulernen. Allerdings stellt sich das als ein fast hoffnungsloses Vorhaben heraus, denn Jakob lebt in Ostdeutschland.

Beim Lesen wirken die Worte der Autorin besonders authentisch, tiefsitzend und gekonnt in Szene gesetzt. Man taucht in eine Gefühlswelt ein, die einen so schnell nicht los lässt. Aufgrund des autobiografischen Charakters habe ich mich im Internet mehr über das Buch informiert. Dabei soll die Autorin Natascha Wodin ihre Beziehung zu Wolfgang Hilbig in diesem Roman verarbeitet haben.

Im Laufe des Buches lernt sie Jakob dann doch noch kennen. Allerdings ist ihre Vorstellungskraft über die Person Jakob Stumm deutlich anziehender und verträumter als das wirkliche Aussehn und Verhalten von ihm. Und so entsteht schließliche eine nie endende Obession von Liebe und Schmerz zwischen diesen zwei Personen. Dabei scheint die Trennung von Deutschland ihnen immer wieder einen Strich durch ihre Rechnung zu machen. Daher gibt es traurige Leidensphasen der Protagonistin, aber auch wohltuende Momente mit Jakob.

Besonders Emotional wird das Buch als Jakob Stumm stirbt. Die Protagonistin denkt viel über ihn nach und probiert nocheinmal alles über ihre Beziehung zusammenzufassen. Allerdings kommt sie am Ende zu keinem eindeutigem Ergebnis.

Ich sitze in der Nacht und warte auf die Antwort. Ich warte auf die Worte, die mir durch ihn abhanden gekommen sind.

Als ich den Roman am Ende aus der Hand gelegt habe, dachte ich mir, was für eine Wucht! Es ist keine einfache Geschichte und ist daher nicht für jüngere Personen geeignet. Hat man sich aber erstmal an der Story festgebissen, legt man das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand. Man erlebt eine Welt mit der man sehr gut mitfühlen kann.


Kommentar:

Kunstmannverlag, Rezension: NachtgeschwisterNatascha Wodin, 1945 in Fürth geboren, lebt als freie Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Russischen in Berlin. Für ihre Bücher (u.a. »Die gläserne Stadt«, »Einmal lebte ich«, »Erfindung einer Liebe«) ist sie mit dem Hermann-Hesse-Preis und dem Adalbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet worden. Natascha Wodin erhielt 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Werbeanzeigen

2 thoughts on “Rezension: Nachtgeschwister Leave a comment

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: