Rezension: Nacht vor meinen Augen

9783839224595Verlag: Gmeiner
Autor: Herbert Beckmann
Titel: Nacht vor meinen Augen
Genre: Thriller
Seiten: 277
Preis: 12 €

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Inhalt:

Als der Berliner Journalist Jonas Zöller eines Morgens aufwacht, findet er seine Freundin Franzi tot im Bad. Erschlagen. Die Polizei hält Jonas für den Täter – der Haftbefehl scheint nur noch eine Frage der Zeit.
Doch er kann sich an nichts erinnern. In seiner Verzweiflung beschließt Jonas unterzutauchen, um herauszufinden, was in der Mordnacht geschehen ist. Aber kann er sich selbst trauen? Seit einem Autounfall leidet Jonas an Bewusstseinsstörungen …


Fazit:

„Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.“ – Heinz von Foerster

Der Prolog der Story macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Man lernt Jonas Zöllner aus der Ich-Perspektive kennen und auch gleichzeitig seine abgründige Seite. Und ich finde gerade diese wird auch im weiteren Verlauf detailliert und authentisch fortgeführt. Die Bewusstseinsstörung, die Verzweiflung nach der Mordnacht, die Leere nach dem Tod einer geliebten Person, sowie die Selbstzweifel.

Daher ist der Thriller von der Atmosphäre wirklich sehr gelungen, jedoch schlägt das auf die Spannung des Buches nieder. Erst im letzten Drittel nimmt die Story etwas fahrt auf, als Jonas sich dazu entscheidet auf eigene Faust zu ermitteln. Doch insgesamt bleibt der Spannungsbogen sehr gering.

Schätzenswert ist dagegen der Miträtselfaktor. Permanent ist man am Überlegen, was sich in der Tatnacht abgespielt hat, und ob man Jonas überhaupt trauen kann. Ebenso wird man immer wieder mit neuen Gedächtnisfetzen überrascht, die einen durchaus auf falsche Fährten locken.

Ebenso gelungen sind für mich die Charaktere. Sie sind nicht nur stumpfsinnig in die Geschichte eingebaut, sondern handeln, auch in den Dialogen, situationsgerecht, authentisch und mitfühlend, sodass man sehr gut mit ihnen Sympathie oder Antipathie verspürt.

Der Aufhänger der Story ist zwar wenig originell, dennoch sehr gut konstruiert und umgesetzt. Der Tatnacht geht ein Hoffest, auf dem Jonas zu viel Alkohol trinkt, vor, sodass am nächsten Morgen die bittere Überraschung mit dem Fund seiner toten Freundin auf ihn wartet. Verkatert und völlig perplex, merkt er schnell, dass er für die Polizei bereits der Täter ist. Logisch ist auch, dass ihm durch den Alkohol und dem Schock Erinnerungen fehlen und er sich nur schemenhaft an alles erinnern kann.

So bekommt man am Ende einen Thriller, der zwar nicht zu den Top-Thriller gehört, die man unbedingt gelesen haben muss. Aber trotzdem eine gut gelungene Story, die dich auf ein entspanntes Abenteuer mitnimmt und dich dem Alltag ein Stück weit entzieht. Gerade wer auf atmosphärische Bücher steht, sollte hier einmal einen Blick riskieren.


Kommentar:

beckmann-herbert.jpgHerbert Beckmann, 1960 in Ahaus geboren, lebt mit seiner Familie in Berlin. Er schreibt Erzählungen, Romane und Hörspiele für Kinder und Erwachsene.

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