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Rezension: Muskelkater vom Leben

OCM-Verlag, Rezension: Muskelkater vom Leben

Hintergrund:

Gespannt war ich auf der Homepage des OCM-Verlages unterwegs. Auf der Suche nach einem Roman über das stink normale Leben.

Die Verleger Elke Neumann und Georg Nies setzen auf ganz besondere Buchideen.

Und wer sucht, der findet! „Muskelkater vom Leben“ erschien mir der passende Titel. Auch wenn ich noch ziemlich jung bin, hatte ich schon das Gefühl „Och ne, schon wieder der gleiche Mist…“. Einmal keine Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, einmal keinen Muskelkater vom Leben haben. Also habe ich mich für das Buch entschieden!

Inhalt:

OCM-Verlag, Rezension: Muskelkater vom LebenMenschen werden älter, manche sogar alt.
Und wo das Alter ist, da ist die Weisheit nicht weit – aber auch nicht die Borniertheit, das Erinnern, das Vergessen, körperliche Gebrechlichkeit, Einsamkeit, langjährige Freunde, der Tod.

Genau das erleben die Protagonisten in Winfried Thamms Kurzgeschichten. Ob dicker alter Mann, trauernder Freund oder zurückgezogener Rentner – sie alle haben ­Muskelkater vom Leben.
Sie schwelgen in wertvollen Erinnerungen und kosten die Vergänglichkeit aus, aber sie meckern und stöhnen auch, sie leiden und sie schämen sich.

Winfried Thamm schreibt schonungs-, aber niemals hoffnungslos über das Altern, manchmal satirisch, oft ernst, meistens feinsinnig, immer dem Leben zugewandt.
Und überall schimmert die ­Sehnsucht durch.

Fazit:

Das erste Kapitel „Dann werden wir alt“ beginnt mit einem Gedicht:

Wenn das Herz aus dem Takt kommt,

weil uns die Gegenwart zu sehr treibt,

wenn die Seele in den Knien zittert,

weil die Vergangenheit sie drückt,

wenn das Glück keine große Oper mehr braucht,

weil schon ein Kammerspiel genügt,

dann werden wir alt.

Auch wenn das hier nur ein kleiner Auszug aus dem Gedicht ist, fällt sofort auf, dass die Verse sehr treffend formuliert werden. Ich kann mich sehr gut in das „Altwerden“ hinversetzen.

Das zweite Kapitel „Smartphonomie“ beschäftigt sich mit der Problematik der Unverständnis der älteren Generation über die Smartphones. Dabei ist der Titel programm. Ironisch, Sarkastisch und vor allem sehr satirisch wird über die Smartphonejugend, die eine flüssige 10 münitge Sprachnachricht sprechen kann, aber nicht in der Lage ist ein Gespräch zu führen, abgelästert. Dabei finde ich die Formulierungen fabelhaft. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Das ist auch so eine Zeiterscheinung: Man schämt sich nicht mehr.

Neulich las ich in der Zeitung – haben sie es auch gelesen?-, dass die Stadtverwaltung ernsthaft diskutiert, ob sie die Straßenlaternen auf den Gehwegen in Kopfhöhe mit Schaumstoffpolster oder mit Blinklichter sichern wolle, um der steigenden Anzahl der Kopfverletzungen der handysüchtigen Bürgern Herr zu werden.

…, mit Parolen wie „Ich bin Selfie“ oder „Keine Bange, Selfie-Stange“…

Ich lag teilweise lachend unter dem Tisch. Auch in den nächsten Kapitel wird es genau so amüsant. Das Altwerden ist eine reine Qual, man muss viel warten, schlägt sich mit den Feinden „Das Krankenhaus und den Ärzten“ herum und fühlt sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen. An sich sind das ja wirkliche Probleme, Ärzte, die überfordert sind und die Patienten warten lassen müssen, aber Winfried Thamm schafft es die Themen passend zu verpacken. Locker, humorvoll und teilweise etwas zynisch!

Wieso soll ich dem vertrauen, ich kenne ihn doch gar nicht. Nur, weil er einen weißen Kittel anhat? Den kann er sich besorgt haben. Ich sag nur: Berufskleidungsgeschäft! Vielleicht bohrt er sie ja an, meine Eier, bläst sie aus und hängt sie bunt bemalt an einem Strauch blühender Forsythien in seinen Garten. Und lacht sich tot, die Schweinebacke, erzählt seiner Frau und seinen Kinder: “ Das da sind die Eier von Herrn T. Der hat doch tatsächlich geglaubt, ich würde ihm seine Stromleitung im Herzen reapieren. Ich bin doch kein Elektriker, ich bin ein Eierdieb.“

Vielleicht liegt es an meiner Distanz zum Alter, aber jede einzelne Kurzgeschichte weißt irgendeine besondere Darstellung auf. Es macht einfach nur Spaß, die Kurzgeschichten zu lesen, zu entdecken. Es ist eine tolle Ablenkung zum normalen Leben! Definitiv eine Empfehlung wert!

Kommentar:

Winfried Thamm, Lehrer für Deutsch, Kunst und Theaterspiel an einer Gesamtschule in Duisburg, sagt von sich selbst: „Schreiben hilft mir, die Welt zu sortieren.“
Er veröffentlichte 2010 seine erste Kurzgeschichtensammlung, 2012 folgte der Roman „Harras – der feindliche Freund“ und 2015 die Fortsetzung „Harras – Alles wird böse“.

 

 

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