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Rezension: Frauen

Frauen, Rezension: Frauen

Hintergrund:

Ich war schon sehr lange nicht beim Antje Kunstmann Verlag unterwegs. Umso mehr freue ich mich, dass ich dort wieder ein Buch gefunden habe.

Das Credo des Verlags ist und soll bleiben: die Leselust und das Denken zu befördern, die Autoren und ihr Werk zu pflegen, dem „Publikumsgeschmack nicht nachzurennen, sondern ihn zu prägen“, wie der Verleger Kurt Wolff so schön gesagt hat.

Ich habe mich für den Roman „Frauen“ entschieden, weil mich die Kritik auf dem Buchrücken neugierig gemacht hat. Ein verstörender Roman, der wie ein konventioneller Thriller beginnt und sich nach und nach in einen surrealen Albtraum verwandelt.

Inhalt:

Frauen, Rezension: FrauenDie junge Künstlerin Eva Einársdottir trifft sich in New York mit einem isländischen Banker, der ihr eine Förderung ihres nächsten Dokumentarfilms in Aussicht gestellt hat. Es geht ihr nicht gut. Beruflich nicht, und auch privat steht sie vor einem Scherbenhaufen: Hrafn, ihre große Liebe, hat sich von ihr abgewendet und ist zurück nach Island gegangen. Er ist mit dem plötzlichen Tod ihrer kleinen Tochter nicht fertig geworden. Und sie auch nicht. Sie betäubt sich mit Alkohol und Zigaretten und kann nur daran denken, Hrafn wieder zurückzuholen. Im Gespräch mit dem Banker erzählt sie mehr von sich, als sie will, und er bietet ihr an, sein verwaistes Luxusappartement in Reykjavik zu hüten. Ein Glücksfall. Aber als sie dort ist, hat Eva immer mehr das Gefühl, dass man sie in eine Falle gelockt hat. Dass sie das Objekt einer perfiden Inszenierung ist, in der die Grenzen zwischen Realität, Albtraum und Kunst zunehmend verschwimmen…

Fazit:

„Warum?“, fragte sie und wandte sich vom Fenster ab. „Die Hausbewohner fühlen sich auf diese Weise sicherer, nehme ich mal an. Ich weiß es nicht.“

Der Roman beginnt ganz entspannt. Eva zieht in das Luxusappartment ein und lernt die neue Umgebung und die Anwohner kennen. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass sie belogen wurde. Angeblich soll Marie verreist sein und deswegen ist das Luxusappartment frei. Aber von einer älteren Frau erfährt sie dann, dass Marie tot ist, wahrscheinlich Selbstmord.

Die Geschichte liest sich relativ locker. Allerdings wird man immer wieder mit komischen und verstörenden Wendungen überrascht. Gerade zu Beginn hat es mich sehr verstört, dass sich der Portier Snorri gegen Mitternacht in der Lobby einfach so einen runterholt, obwohl er genau weiß, dass er gefilmt wird und die Anwohner alles über eine Kamera mitverfolgen können.

Spätestens im zweiten Teil der Geschichte begreift man dann im vollen Ausmaß in welche aussichtslose Situation Eva da hineingeraten ist. Mit jeder gelesenen Seite wurde mein Entsetzen immer größer und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Hauptfigur Eva bringt dabei alles mit, was einen vielschichtigen Charakter ausmacht. Paranoia, ein Alkohol- und Zigarettenproblem, Reue und gute Vorrsätze.

Da sich jeder von uns ständig in einer Selbstfindungsphase befindet, konnte ich mich sehr schnell in die Geschichte hinein denken und mit Eva mitfühlen. Gerade das Gefühl des Eingengtseins, der Verzweiflung und der Aussichtslosigkeit finde ich von dem Autor Steinar Bragi sehr lebhaft ausgearbeitet.

In meinen Augen stimmt bei diesem Buch einfach alles. Ein gelungenes Gesamtkonzept. Angefangen vom Titel, über das Cover bis hin zum Klappentext und dem Inhalt.

Kommentar:

Steinar Bragi, geboren 1975, studierte Komparatistik und Philosophie an der Universität Island. Mit 23 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband »Svarthol« und seinen ersten Roman »Turnin«. Sein Roman »Frauen« wurde von der Kritik hoch gelobt und für den Nordic Council Literature Prize nominiert.

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