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Rezension: Deutsche Demokratische Rechnung

Deutsche Demokratische Rechnung, Rezension: Deutsche Demokratische Rechnung

Deutsche Demokratische Rechnung, Rezension: Deutsche Demokratische RechnungVerlag: Eulenspiegel
Autor: Dietmar Dath
Titel: Deutsche Demokratische Rechnung
Seiten: 239

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Inhalt:

Veras Vater wird beerdigt. Einsam war es um den Mann geworden, der einst der Neuen Ökonomischen Politik Walter Ulbrichts das wissenschaftliche Zahlenwerk gab. Seine Tochter verbindet wenig mit ihrem Vater und dem Land, in dem sie geboren wurde. Bis sie im Kreise der politischen Aktivisten den Journalisten Frigyes kennenlernt. Für Vera öffnet sich eine Verbindung zur Welt ihres Vaters. Langsam tastet sich die junge Frau an ihr Vermächtnis heran. Frigyes jedoch kann am Erbe der DDR nichts Gutes finden und nennt Veras Versuche traurig und grotesk. Dietmar Daths Geschichte über die Positionierung heutiger Politaktivisten und Linker schlägt einen ungewöhnlichen Bogen in die Historie der beiden deutschen Staaten. Sie buchstabiert aber auch die Ökonomie der täglichen Verzweiflung und Depravation, aus der Auflehnung entstehen kann und muss.


Fazit:

Beerdigungen sind selten lustig, aber Vera findet, ihr Vater übertreibe es. Niemand ist gekommen. Niemand, das sind zusammen sie selbst und ihr dritter ehemaliger Verlobter, der gute Gerd.

Am Anfang des Buch bin ich etwas zwiespaltig gewesen. Auf der einen Seite hat mich das Inhaltsverzeichnis mit seinen Titeln total geflasht, andererseits sind die ersten Seiten etwas holprig gewesen und ich musste mich an den Schreibstil von Dietmar Dath gewöhnen. Ich finde ihn durch die ganzen Haupt- und Nebensätze etwas schwierig, sodass man viel Konzentration benötigt, um durch die Seiten zu kommen.

Jedoch merkt man schnell, dass sich Dietmar Dath mit der Thematik wunderbar auskennt. Auch wenn viel Fachsimpelei mit dabei ist, was Vera, der Mathematikerin geschuldet ist, hat das Buch interessante und unangepasste Ansichten über die Kirche, Anarchie und Verschwörungstheorien. Politikinteressierte dürften sich bei der Geschichte sehr wohlfühlen, denn man muss sich zwangsläufig selber zu den Ereignissen positionieren.

Was mir sehr gefallen hat, Dietmar Dath lässt seine Figuren im Rahmen des Möglichen ihre politische Einstellungen ausleben. So wirkt das Konzept hinter dem Buch nicht künstlich konstruiert, sondern authentisch. Auch wenn es den Personen am Ende die Liebe kostet. Die Ideale, die hier angesprochen werden, habe ich mit meinen jungen Jahren schon fast verdrängt, daher ist das Buch auch geschichtlich wertvoll.

Das Buch „Deutsche Demokratische Rechnung“ ist nicht nur eine spannende und verhängnisvolle Liebesgeschichte, sondern auch eine Erinnerung an den Untergang der DDR. Intrigen, Verrat und Selbstfinung, sowie der Antritt eines Erbes wird hier verhängnisvoll präsentiert. Genau so wie eine Partnerschaft die auf gegensätzlicher politischer Meinung basiert!

Für mich hat die Geschichte potenzial, da sie so facettenreich ist! Jedoch glaube ich nicht, dass sie in der breiten Unterhaltungsmasse Platz finden kann. Für die Story muss man schon politisch interessiert sein und sich dem schwierigen Schreibstil von Dietmar Dath hingeben können. Aber ich denke, dass sich hier die etwas ältere Generation, die diese Zeiten noch miterlebt hat, wohlfühlen dürfte. Ein interessanter Rückblick in die Zeit!


Kommentar:

Deutsche Demokratische Rechnung, Rezension: Deutsche Demokratische RechnungDietmar Dath, 1970 geboren in Rheinfelden (Baden) ist Autor und Übersetzer. Seit 1990 veröffentlichte er eine Vielzahl literarischer und journalistischer Texte. Von 1998 bis 2000 war er Chefredakteur des Popkultur-Magazins »Spex« und von 2001 bis 2007 Feuilleton-Redakteur der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. 2011 ist Dath zur »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« zurückgekehrt, seither arbeitetet er dort als Filmredakteur. Seit 1995 erschienen etwa fünfzehn Romane, darunter »Dirac« (2006), »Die Abschaffung der Arten« (2008) und »Sämtliche Gedichte« (2009, alle Suhrkamp). Außerdem veröffentlichte Dath Bücher und Essays zu wissenschaftlichen, ästhetischen und politischen Themen, so die Streitschrift »Maschinenwinter« (2008) und die »BasisBiographie Rosa Luxemburg« (2010, beide Suhrkamp). Jüngst ist Dietmar Dath auch als Dramatiker und Lyriker in Erscheinung getreten. Er lebt in Freiburg.

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