Skip to content

Rezension: Der schwarze Gürtel

Der schwarze Gürtel, Rezension: Der schwarze Gürtel

Der schwarze Gürtel, Rezension: Der schwarze GürtelVerlag: Kunstmann
Autor: Eduardo Rabasa
Titel: Der schwarze Gürtel
Seiten: 397

Hier bestellen


Inhalt:

Auf den Gängen der Consultingfirma Soluciones erschallen unverständliche Anweisungen des Chefs, eine Rangliste im Foyer registriert minutiös die Performance der Mitarbeiter. Wer nicht genug leistet, wird mit einem fröhlichen Ständchen von Mädchen in kurzen Röcken fristlos entlassen. Ganz oben aber lockt wie ein Gral der Rang des Schwarzen Gürtels. Auch wenn keiner weiß, welche Versprechungen damit verbunden sind, und keiner den ominösen Chef je gesehen hat, wollen trotzdem alle nach oben. Fernando Retencio, einer der vielen Berater, scheint den Durchblick zu haben und auf dem besten Weg zum Schwarzen Gürtel zu sein. Für seinen Aufstieg ist ihm dabei jedes Mittel recht. Mit blühender Phantasie und so skrupellosen wie größenwahnsinnigen Methoden vermasselt er die Aufträge seiner Klienten und wird entlassen. Außerdem droht ihm auch noch die eigene Ehefrau davonzulaufen, weil sie seine krankhafte Eifersucht nicht länger erträgt. Alles sieht danach aus, dass er gescheitert ist. Doch ein wahrer Held unserer Zeit gibt nicht auf … Mit bösem Humor und Hintersinn entlarvt Eduardo Rabasa den Zynismus einer modernen Unternehmenskultur, die die Brutalität des Wettbewerbs mit Achtsamkeitsjargon, mobilen Arbeitsplätzen und herablassender Wohltätigkeit kaschiert.


Fazit:

JEDES MAL, wenn aus der Lautsprecheranlage von Soluciones, dem Unternehmen für Problemlösungen aller Art, die Tonfolge erklang, die die Botschaften des stets lächelnden Direktors, Senior Sonrisa, ankündigte, stellten die Mitarbeiter ihre Ohren auf Empfang.

Gleich zu Beginn wird man mit einem bitter bösen und zutiefst kapitalistischen Unternehmen konfrontiert, dass das Ausmaß der Geschichte schon gut erahnen lässt. Dazu lernt man dann noch Retencio kennen, der mir mit seiner skrupellosen und hochnäsigen Art und Weise überaus unsympathisch ist. Da gefällt mir seine Frau schon viel besser. Sie probiert die Armut und Arbeitslosigkeit in der Öffentlichkeit wirksam darzustellen.

Das Unternehmen bei dem Retencio arbeitet zeigt an einer Tafel an, welcher Mitarbeiter wie viel geleistet hat. So kommen die „Gewinner“ immer einen Rang höher und die „Verlierer“ einen Rang niedriger, bis sie letztlich von hübschen Mädchen und tollem Singsang vor den Augen aller entlassen werden. Wer es allerdings bis an die Spitze schafft, der erlangt am Ende den schwarzen Gürtel. Der Protagonist gerät in der Story dabei immer tiefer in das Verlangen nach dem schwarzen Gürtel, doch das  wird sein Untergang!

Die gelungene Kritik an dem kapitalistischem System hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Wie weit würdest du für den Erfolg gehen? Gehst du über Leichen? Nimmst du Pillen, die dich bei Laune halten? All das verarbeitet der Autor sehr gut konstruiert in dieser Geschichte. Eduardo Rabasa erinnert mich dabei mit seinem Humor ein wenig an Marc Uwe Kling.

Ich finde es aber etwas schade, dass sich der „Schwarze Gürtel“ durch die verschachtelten Sätze und der etwas zu langen Kapitel nicht ganz so gut lesen lässt. Ebenso finde ich die Geschichte auch etwas zu lang. So hätte man sich z.B. weniger mit den Geschichten der Klienten aufhalten können.

Die Charaktere beruhen in dieser Geschichte eher auf Gegensätzlichkeiten. Auch wenn man zuerst auf Oberflächlichkeiten schließen kann, sind sie doch sehr tiefgründig und man erfährt viel über ihre Vergangenheit, sodass man zum Teil auch mit ihnen mitfühlen kann.

Insgesamt bekommt man in dieser Geschichte eine tolle Satire geboten, die man sich als streberhafter Jugendlicher definitiv durchlesen sollte, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Daher kann ich das Buch weiterempfehlen!


Kommentar:

Der schwarze Gürtel, Rezension: Der schwarze GürtelEduardo Rabasa, geb. 1978 in Mexiko-Stadt, ist Verleger, Autor und Journalist. Er schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Tageszeitung Milenio und übersetzte Bücher von Morris Berman, David Hume, Somerset Maugham und George Orwell. 2002 gründete er den renommierten mexikanischen Independent-Verlag Sexto Piso. Rabasa wurde 2017 in die Liste Bogotá39 des Hay Festivals aufgenommen, die die 39 besten lateinamerikanischen Schriftsteller unter vierzig kürt. Der schwarze Gürtel ist sein zweiter Roman.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: