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Kreatives: Heute, nicht morgen!

Kurzgeschichte, Kreatives: Heute, nicht morgen!

„Was kann schon groß passieren?“, dachte sich Elias als er am Flughafen München ankam. Seine Beine schlotterten schon bei der Passkontrolle und wurden beinahe Gummi als er die Treppe empor zu seinem Sitzplatz in den Airbus A320 ging. Seine Gedanken liefen im Zick Zack durch seinen Kopf und wollten einfach keine Ruhe geben. Seine Laune dämpfte sich, so wie bei einem Jäger, der nach seinem dritten Schuss noch immer den Hasen verfehlte. Doch er probierte sich zu beruhigen „Du musst dich deiner Flugangst stellen. Nur so kannst du an dir wachsen.“ Es brachte aber rein gar nichts. Elias wollte vorwärts gehen, doch bewegte sich komisch rückwärts. Zumindest bis ihm eine überaus attraktive, blonde Flugbegleiterin den Weg zu seinem Platz zeigte. Dann war es auch schon zu spät. Er krallte sich in die Armlehnen und lauschte mit kleinen Panikattacken den Worten des Piloten. Genauso wie Joko beim Duell um die Welt seine Höhenangst mit Fluchen, Schreien und Verzweifeln überwindet, hatte es auch Elias endlich in die Lüfte geschafft. Allerdings war er kurz nach der Begrüßung des Piloten in Ohnmacht gefallen und wachte erst schweißgebadet in atemberaubender Wolkenhöhe auf. Sein Atem stockte als er aus dem Fenster blickte und da wusste er, dass er das Schlimmste hinter sich hatte. Elias gewann an Selbstsicherheit und blickte sich in aller Ruhe in dem ranzigen Innenleben des Fliegers um. Mütter, die ihre kleinen Kinder still unterhalten müssen, nervige Geschäftsleute, die hektisch auf ihre Uhr blicken, knutschende Paare und mittendrin er. Zumindest glaubte Elias das. Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sich ein Gast, der vermeintlich auf die nach Rauch stinkende Toilette ging, sich daran vorbei schlich und mit einem miniaturhaften Dolch geräuschlos alle Flugbegleiterinnen abstach. Während diese entsetzliche Tat passierte, entspannte sich Elias wie ein alter Mann in der Sauna auf seinen Sitz und dachte über sein Leben nach. „Man muss sich nur trauen. Man darf nicht lange überlegen, sondern einfach machen. Was kann denn schon groß passieren?“. Doch als Elias diesen Gedanken gerade motivierend durch seinen Kopf schwingen ließ, war der scheinbare W.C.-Gänger bereits ins Cockpit eingedrungen und zwang den Piloten ihm das Bordmikrofon zu geben. „Mein verheerten Damen und Herren, dies ist eine Entführung, bitte bleiben sie ruhig, in ein paar Stunden wird all das hier ohne jegliche Opfer vorbei sein – zumindest so lange sich kein von euch in diese Angelegenheit einmischt. Ansonsten gibt es Tote!“ Elias brauchte einen Moment, um diese Ansage zu verarbeiten. Doch als panische Blicke sich ausbreiteten und sich die Männer mit Gewehren zu erkennen gaben, wusste er genau, dass es sich hierbei um keinen Scherz hielt. „Oh Fuuuck, das darf doch nicht wahr sein!“, murmelte er etwas zu laut vor sich hin. Er hörte noch etwas benommen und schallend das Klicken eines Abzuges, doch dann war es auch schon zu spät. Eine Kugel traf ihn direkt in den Kopf, sein Genick raste ruck zuck gegen die Kopflehne, das Blut verteilte sich über die Gesichter der Fluggäste hinter ihm…

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