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Interviews: Buchautor Interview – Roman Achmatow Teil 2

Buchautor, Interviews: Buchautor Interview – Roman Achmatow Teil 2

Hintergrund:

Ich hoffe euch hat der erste Teil von dem Interview mit Roman gefallen und ihr seid schon neugierig auf den Zweiten. Seine Antworten zu den Fragen inspirieren einen und geben auch einen guten Einblick in die Arbeit eines Buchautors. Es gibt nicht immer nur Lob, sondern auch ab und an Kritik und merkwürdige Begegnungen. In diesem Teil erfahrt ihr, wie Roman damit umgeht! Viel Spaß!

Prager Fragmente

Buchautor, Interviews: Buchautor Interview – Roman Achmatow Teil 2
  1. Was ist dein Ansporn dich der Allgemeinheit vorzustellen? Was treibt dich an?

Ich bin gesegnet mit einem regen Interesse an meiner Umgebung und verschiedensten Themen. Packt mich die Begeisterung, beschäftige ich mich tagelang fast rund um die Uhr mit ein und derselben Tätigkeit. Damit einher geht meist ein überdurchschnittliches Mitteilungs- bzw. Kommunikationsbedürfnis, das mein direktes Umfeld von Zeit zu Zeit zu überfordern scheint. Kann ich gewissen Impulsen jedoch nicht nachgeben, werde ich zunehmend unzufrieden. Dementsprechend verstehe ich das Schreiben primär als Möglichkeit, einem bestimmten Gedanken zu einer bestimmten Zeit auf den Grund zu gehen. Quasi um zu verhüten, dass ich vor lauter Reizüberflutung und -verarbeitung irgendwann implodiere. Zweitens, und hier kommt vermutlich der Aspekt mit der Allgemeinheit hinzu, interpretiere ich das Ergebnis meiner Arbeit als Gesprächsangebot an meine Umwelt. Wenn ich mich mit einem Thema auseinandersetze, freue ich mich natürlich, wenn andere Menschen das auch tun. Möglicherweise eine eigene Meinung haben. Oder mir etwas beibringen können. Ich bin nicht sicher, ob da ein generelles Interesse besteht, mich selbst permanent in den Fokus irgendeiner Öffentlichkeit zu drängen. Teilweise schon. Teilweise auch wieder nicht. Wenn ich glaube etwas Sinnvolles beitragen zu können, dann mache ich den Mund auf. Kann ich das nicht, muss ich mich nicht in den Vordergrund spielen. Bin ja schließlich nicht die CSU.

  1. Welche Orte auf der Welt möchtest du noch bereisen?

Es gibt wahrscheinlich keinen Ort auf diesem Planeten, den ich kategorisch ausschließen kann. Eine Hierarchie möglicher Urlaubsdestinationen gibt es in meinem Kopf nicht. Reisen hat aus meiner Sicht eine einzige wesentliche Funktion: Erkenntnisgewinn. Und Erkenntnisse gewinnt man durch die Erfahrungen, die man macht, durch die Menschen die man trifft oder die Geschichten, die man unterwegs in seinen Rucksack packt. Bevor ich einmal um die Welt fliege, nur um ein weiteres Häkchen auf meiner imaginären To-Do-Liste zu setzen und zwei Wochen am gleichen Strandbad zu verwesen, während die armseligen und bemitleidenswerten Einwohner verblüfft durch die Zaungitter meines abgetrennten Touristenbereiches glotzen, bleibe ich lieber zu Hause. Der Sinn von Reisen als Konsumgut erschließt sich mir nicht. Reisen als Kulturgut allerdings, kann sowohl in Mexiko als auch an der Ostsee sinnstiftend sein. Um also wieder auf deine Frage zurückzukommen: Prinzipiell möchte ich jeden Ort bereisen. Womöglich aber nicht alle.

  1. Welche Reaktion auf dein Buch hat dich am Meisten gekränkt? Oder bist du durchweg zufrieden mit den Bewertungen?

Im Grunde genommen bin ich nicht nur zufrieden, sondern begeistert von den Meinungen zu meinem Debüt. Fast sämtliche Bewertungen waren positiv, eine Bloggerin hat mich sogar die „Überraschung des Jahres unter den Indie-Autoren“ genannt – ich habe wirklich keinen Grund mich zu beschweren. Kritik gibt es natürlich auch, aber die nehme ich mindestens genauso gerne an wie Lob. Wenn sich jemand die Mühe macht und meine Sachen konstruktiv kritisiert, bin ich doch ein Dummkopf, wenn ich nicht zumindest versuche diese Kritik anzunehmen. Ob ich nun sämtliche Bedenken teile oder nicht. Gerade als junger Autor sollte man nicht meinen, es gäbe keinen Raum mehr für Verbesserung. Ich freue mich über alle, die sich Zeit nehmen und ernsthaft mit mir oder meinem Buch auseinandersetzen.

Unangenehm wird es nur, wenn Menschen irgendwelche Launen abarbeiten wollen oder dich persönlich attackieren. Da mein Bekanntheitsgrad allerdings noch recht überschaubar ist, bin ich bisher von sowas meist verschont geblieben. Aber vielleicht kommt das ja noch. Schließlich neige ich dazu, mich bei bestimmten Themen recht klar zu positionieren und von Zeit zu Zeit auch etwas weiter aus dem Fenster zu lehnen.

Einmal nur hat mich eine Reaktion etwas irritiert: Bei einer Lesebühne in Leipzig durfte ich ein Kapitel aus meinem Buch vorstellen: „Das graue Europa“, ein Text über meine Erlebnisse bei einer tschechischen Anti-Islam Demonstration. Bisher war ich meistens mit albernen Sachen oder zumindest einer Mischung aus Albernheit und Ernst unterwegs gewesen und wollte nun wissen, wie solche Texte ankommen. Bei der Veranstaltung selbst hat dann ständig irgendein Kerl aus der letzten Reihe reingequakt. „Respect the artist“ am Arsch. Schon während ich gelesen habe, gab er ständig irgendwelche Kommentare ab, die ich auf der Bühne weder verstehen noch beachten konnte. Und als ich dann fertig war, ging das Theater erst richtig los: Mein Inhalt. Meine Art. Meine ausschließende, hochgestochene Wortwahl. Gott und die Welt gingen ihm auf die Nerven. Zugegeben, ich hatte den Kontext des Textes nicht wirklich gut erklärt. Möglicherwiese war das Kapitel auch völlig ungeeignet für dieses Format. All das hätte man gerne ausdiskutieren können. Allerdings schien es ihm da nicht wirklich drum zu gehen. Ganz offensichtlich hatte er nicht einmal das Konzept des Textes verstanden. Vermutlich roch er auch noch ziemlich streng. Nach der Veranstaltung bin ich zu ihm hin und wollte mir in Ruhe anhören, was denn nun so gestört hat. Er hat mich dann aber ignoriert und zeitgleich mit jemand anderen über den Text hergezogen. Natürlich so laut, dass ich alles verstehen konnte. Vielleicht war er einfach nur betrunken oder bekifft. Wahrscheinlich war er aber nur ein unsympathischer Wichtigtuer. Wie oben bereits erwähnt: Sonderlich gekränkt hat es mich nicht, aber zumindest etwas irritiert. Lustig war allerdings, dass er später mit der gleichen Bahn nach Hause gefahren ist wie ich.  Auch da hat er mich ignoriert, kam sich dabei allerdings nicht mehr so wichtig vor. Vermutlich musste er sich nicht mehr vor seinen Freunden aufspielen.

  1. Wenn du ein zweites Leben hättest, würdest du alles exakt so wieder tun oder würdest du auf etwas verzichten?

Frag mich diese Frage an zwei verschiedenen Zeitpunkten und du wirst wahrscheinlich zwei völlig unterschiedliche Antworten darauf erhalten. Vermutlich würde ich einige meiner engen Jugendfreunde davor bewahren, auf die falsche Bahn zu geraten und später die CDU zu wählen. Ansonsten schenke ich dieser Frage meist keine Beachtung. Wenn ich ständig an meine alten Fehler denke, kann ich mich nicht ordentlich auf meine nächsten Fehler konzentrieren. Das ist dann auch blöd.

  1. Hast du dir einen Schreibplan gemacht oder einfach wild drauf los geschrieben?

Einen Schreibplan gab es nie. Vielmehr habe ich immer dann geschrieben, wenn ich den Drang dazu verspürt habe. Die gesamte Planung begann erst ab dem Moment, in dem klar war, dass es ein Buch werden soll. Zu dem Zeitpunkt waren die Rohfassungen fast sämtlicher Texte allerdings schon fertig. Dementsprechend musste ich mich nur noch für zwei Monate einsperren, sämtliche Kapitel und Bilder überarbeiten, zusammenfügen und gestalten, korrigieren lassen und ein, zwei, vielleicht drei Sachen mehr machen. Eine Deadline hat es dabei nicht gegeben. Das Ding war in dem Moment fertig, in dem ich zufrieden damit war.

  1. Inwiefern unterscheidet sich Deutschland von Prag?

Da fällt mir spontan nur ein wesentlicher Unterschied auf: Das eine ist ein Land und das andere eine Stadt. Jeder weitere Versuch beides miteinander zu vergleichen ist zum Scheitern verurteilt, da kein Ort in sich so homogen ist, dass man dessen wesentliche Charakteristika beschreiben könnte, ohne den Großteil an erwähnenswerten Eigenschaften dabei zeitgleich zu verschweigen. Das klang jetzt wieder sehr hochgestochen oder? Lass es mich so sagen: Es ist mir nicht möglich verschiedene Plätze miteinander zu vergleichen, ohne dabei oberflächlich zu sein oder mich dabei an irgendwelchen halbgaren Stereotypen zu vergreifen.

Die Zeit in Prag war völlig losgelöst von Strukturen. Es war ein halbes Jahr permanent gelebter Spontanität und Unverbindlichkeit. Mit all den damit einhergehenden Vor- und Nachteilen. Genau das sollte das Buch auch wiedergeben. Hier in Deutschland ist wieder etwas mehr Bezug zur Realität eingekehrt. Mit all den damit einhergehenden Vor- und Nachteilen. Trotz alldem hat mein Lebensstil noch immer relativ wenig mit einem geregeltem Schlafrhythmus oder einer „Der frühe Vogel fängt den Wurm“-Mentalität zu tun. Abends gibt es halt Glühwürmchen. Und die mag ich sowieso lieber. Ich weiß, das war vermutlich nicht die Antwort, die du erwartet hast. Ich hoffe allerdings, dass sie genügt. Für alles weitere lässt sich ja gegebenenfalls ein Reiseführer anschaffen.

  1. Wie hast du deinen persönlichen Schreibstil gefunden?

Ich kann nicht schreiben ohne zu lesen. Und ich kann nicht lesen ohne zu schreiben. Dass mein Schreibstil in gewisser Weise „besonders“ ist, war mir zu Beginn überhaupt nicht bewusst. Meist kam eben aufs Papier, was gerade in meinem Kopf herumschwirrte. Erst mit der Zeit merkte ich dann, dass Menschen aus meinem Umfeld bestimmte Aspekte daran interessant oder zumindest bemerkenswert fanden. Die bildhafte Art eine Umgebung oder Situation zu beschreiben. Der teilweise hektische Wechsel zwischen Hauptsatzparaden und Halbseitern ohne Punkt. Mein etwas umstrittener Hang zur Albernheit oder die Verknüpfung von hochgestochenem Vokabular und Umgangssprache. Wo das alles herkommt, kann ich nicht abschließend sagen. Vermutlich wächst ein Schreibstil ähnlich wie eine Persönlichkeit. Da nimmt man eine große Schüssel und mischt dort Veranlagung plus Erfahrungen rein. Zusätzlich noch eine Prise Zufälle sowie ein paar Vorbilder – schon hat man seinen eigenen Schreibstil beisammen. Und um hier wenigstens einen Namen zu nennen: In die Kategorie „Vorbild“ oder „Inspiration“ würde ich beispielsweise Roger Willemsen packen. Ein ganz besonderer Autor, bei dem ich immer das Gefühl hatte, ich erfahre mehr über die Welt, wenn ich sie durch seine Augen beobachte statt durch meine eigenen.

Letztendlich geht es aber nicht darum jemandem nachzueifern, sondern (Vorsicht, Allgemeinplatz!) seinen eigenen Weg zu finden. Die eine oder andere Inspiration kann man unterwegs allerdings schon in seinen Rucksack packen.

  1. Welchen Ratschlag würdest du angehenden Autoren geben?

Hört nicht auf irgendwelche dahergelaufenen Besserwisser, die bei irgendwelchen Interview-Formaten im Internet schlaue Ratschläge verteilen. Falls doch, nehmt wenigstens den hier:

Sucht euch einen Grund zum Schreiben. Macht euch mit einer Idee gemein, tragt sie in die Welt hinaus und scheut euch nicht, unbequem zu sein. Die Literatur ist unser Instrument. Die Texte und Bücher sind unsere Musik. Und ihr entscheidet, ob ihr Farin Urlaub oder Helene Fischer sein wollt. Nicht durch das „Was“ hebt ihr euch von der Masse der Belanglosigkeit ab. Auch nicht durch das „Wie“. Es ist das „Warum“, wofür es sich zu schreiben lohnt. Und Themen gibt es genug. Falls euch nichts einfällt, könnt ihr euch jederzeit bei mir melden.

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