Interview: Kia vom Buchensemble

Heute habe ich die Autorin Kia bei mir auf den Blog. Sie möchte euch gerne ein besonderes Projekt vorstellen. Es lohnt sich, viel Spaß! Das Projekt findet ihr >HIER<

  • Hey und herzlich Willkommen auf meinem Blog, Kia. Magst du dich kurz meinen Lesern vorstellen? Wer bist du? Was machst du?

Hey Eike!
Ich bin Kia Kahawa und hauptberufliche Schriftstellerin. Ich bin eine so genannte Hybridautorin, das heißt, ich veröffentliche einerseits Bücher im Selfpublishing, habe aber auch Titel bei Verlagen untergebracht. Außerdem blogge ich über Autorenthemen und über bücher.

  • Auf deinem Blog „Buchensemble“ veröffentlichst du mit einem kleinen Autorenteam regelmäßig Rezensionen zu Büchern. Wie bist du auf die Idee gekommen zusammen mit anderen Autoren einen Blog zu gründen? Welche Schwerpunkte habt ihr auf dem Blog?

Die Idee des Buchensembles war gar nicht meine. Sie kam ursprünglich von einem Kollegen, der nicht mehr dabei ist, und ich habe den früher als Weltenbibliothek bekannten Buchblog übernommen und umfirmiert. Unser Schwerpunkt liegt im Grunde auf dem Team: Schriftstellerinnen rezensieren Bücher und geben den Rezensionen dadurch die gewisse Tiefe. Thematisch sind wir bei allem vertreten. Kinderbücher, Erotik, Horror, Sachbücher und alle „breiten Genres“ gibt’s beim Buchensemble.

  • Neben dem Blog hast du auch das Buch „Hanover’s Blind“ veröffentlicht. Worum geht es in der Geschichte?

In „Hanover’s Blind“ geht es um Adam. Er bricht sein Studium ab, zieht nach Hannover und versucht, sich ein Leben fernab der Erwartungen seiner Eltern aufzubauen. Dabei stellen sich ihm natürlich die Hindernisse, die jungen Erwachsenen in der Selbstfindungsphase begegnen, wenn sie alles über den Haufen werfen. Adam verheimlicht in der neuen Stadt seine Sehbehinderung, weil der glaubt, zu behindert zu sein, um geliebt zu werden. Außerdem möchte er endlich normal leben und nicht mehr „der Behinderte“ sein.

Im Buch selbst erlebt der Leser die Welt aus der Sicht eines Menschen mit kaum Restsehstärke.

Angefangen beim Selfie, das die neue Mitbewohnerin bei WhatsApp schickt, damit man sich an der Bahnhaltestelle erkennt, über eine vom überaus attraktiven Menschen auf einen Zettel gekritzelte Handynummer bis hin zum Tanzen, wobei Adam Angst hat, sich an etwas zu stoßen, gibt es in Hanover’s Blind viele Alltagssituationen, an die ich vor dem Schreiben selbst nie gedacht habe.

  • In dem Buch behandelst du das Thema Sehbehinderung. Was interessiert dich an diesem Thema? Hast du persönliche Berührpunkte zu diesem Thema?

Tatsächlich habe ich schon in der siebten Klasse ein Interesse für Krankheiten entwickelt. In meinen Bewerbungen habe ich dann früher unter „persönliche Interessen“ immer „Gesundheit“ geschrieben, und wenn ich im Vorstellungsgespräch gefragt wurde, warum das da steht und was mit Gesundheit gemeint war, meinte ich nur: „Krankheiten zu schreiben klingt ein bisschen merkwürdig in Bewerbungsunterlagen“. Zu der Zeit damals war ich unsterblich (haha) verliebt in einen Jungen, der okulären Albinismus hat. Ich habe mich daher mit der Erkrankung auseinandergesetzt, in Bio ein Referat zum Thema gehalten und seitdem das große Feld der Krankheiten für mich entdeckt. Das habe ich dann auch in „Die Krankheitensammlerin“ verarbeitet, worin es um eine depressive, übergewichtige, mit sozialen Ängsten belegte junge Frau geht, die gewissermaßen auch alles hinschmeißt.

Mich interessieren dabei tatsächlich die Menschen. Das alles klingt super makaber oder komisch, aber Menschen mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen sind mir sympathisch. Sie denken irgendwie anders. Auch ich selbst wäre nicht so dankbar, bedächtig, empathisch und sensibel, wenn ich selbst keine chronische Erkrankung hätte. Dieses Auseinandersetzen mit dem eigenen Dasein steckt da irgendwie hinter – aber das sind nur meine Erfahrungen, das kann man natürlich niemals pauschal für alle sagen.

  • Findest du, dass unsere Gesellschaft behindertengerecht ist? Was fehlt, um Menschen mit einer Behinderung besser zu integrieren?

Im August war ich in Sankt Ingbert zu Besuch, und da führt das Leitsystem an einer Kreuzung vor die Ampel. Das heißt, dass diese Rillen auf dem Boden, an denen sich Menschen mit einem Blindenstock orientieren, durch ihre geradeaus verlaufenden Rillen sagen: „hier kannst du lang“, aber dann haut man sich das Handgelenk an, weil man beim Pendeln gegen die Stange haut. An einer anderen Stelle gibt es einen Abhang, auch hier gibt es direkt davor das „Go“ durch die Leitlinien.

In Hannover wird gerade ein barrierefreier Hochbahnsteig zurück zu einem Tiefbahnsteig umgebaut. Es gibt so vieles, was mir im Alltag auffällt, und als ich vor einem Jahr etwa in der Bahn saß und die Haltestellen mit einer Haltestelle Versatz durchgesagt wurden, kam mir die Idee, dass ich genau auf Sehbehinderungen doch mal aufmerksam machen könnte. Was fehlt, um Menschen mit einer Sehbehinderung besser zu integrieren, ist klar: Wir brauchen viel mehr Aufmerksamkeit füreinander. Hätte es eine Person in der Bahn gegeben, die den Mann mit Blindenstock gesehen hätte, wäre die Person nicht an der falschen Haltestelle ausgestiegen. Und an der Stelle mit dem Abhang irgendwas zu tun, diesen einen Stein auszutauschen, abzukleben, einen kleinen Zaun aufbauen – all sowas wäre längst geschehen, wenn wir Menschen mit Behinderung aktiv als Teil unserer Gesellschaft wahrnehmen würden.

  • Aktuell setzt du dich dafür ein, dass dein Buch auch für Menschen mit einer Seheinschränkung zugänglich gemacht wird, und das kommt auch gut an: „Hanover’s Blind“ war in diesem Jahr zum Deutschen Selfpublishing Preis nominiert. Was steckt hinter deinem aktuellen Projekt?

Hinter „Hanover’s Blind“ verbirgt sich eine Geschichte, die Humor enthält und liebevolle Fettnäpfchen aus dem Leben eines Menschen mit Sehbehinderung zeigt. Es geht um Liebe, Freundschaft, Selbstfindung: Um all das, was einem gesunden Menschen auch begegnet. Aber dahinter stecken auch die Hindernisse im Alltag, die jemand mit 100 % Sehkraft sicher kaum bemerkt, und dazu auch noch einige detailreich beschriebene Wahrzeichen Hannovers. Ich wette, kein Hannoveraner weiß, wie die Kröpcke-Uhr im Detail aussieht. Das bestätigen mir zumindest die Gäste nach meinen Lesungen in Hannover, wenn ich vorher und nachher frage, wer von sich behauptet, die Uhr zu kennen. Vor der Lesung melden sich alle – danach niemand. Adam nimmt die Welt ganz anders wahr, und dabei hat er nicht nur Nachteile. Im Gegenteil: Im Standardtanz hilft nicht nur ihm die schwache Sehkraft. Auch ich muss beim Tanzen manchmal die Augen schließen, um mich führen zu lassen.

  • Wie können Menschen dich am Besten bei diesem Projekt unterstützen und wo können sie dich finden?

Am besten unterstützen mich Menschen, indem sie das Hörbuch kaufen, das es noch bis zum 01.12. bei meiner Crowdfunding-Kampagne bei Startnext zu kaufen gibt. Am besten gleich drei, da gibt’s sogar Rabatt. Das Hörbuch ist perfekt, um es zu verschenken, denn pünktlich zu Weihnachten wird es da sein, dafür hat meine strenge Projektplanung gesorgt.

  • Was passiert mit dem Gewinn aus dem Projekt?

Zunächst müssen wir die Kosten für die Hörbucherstellung decken. Jeder Cent, der über die Kosten hinausgeht, fließt natürlich an den Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.. Es ist Vorweihnachtszeit, na ja, zumindest fast, und ich möchte letzten Endes einfach nur ein Hörbuch, das für Menschen mit Sehbehinderung verfügbar ist, und nichts daran verdienen. Dadurch erhoffe ich mir natürlich zusätzliches Interesse für das Thema, denn den Blinden- und Sehbehindertenverband kennen eher wenig Leute, aber er ist eine wichtige Anlaufstelle.

  • Wo können die Menschen nachverfolgen, wie es um das Projekt steht?

Auf der Startnext-Seite steht der aktuelle Spendenstand. Sobald die 700,00 € erreicht sind, beginnen wir mit der Kommunikation des Presswerks.

Da ich dieses Projekt unbedingt in die Tat umsetzen will und keinen Zweifel daran habe, dass „Hanover’s Blind“ als Hörbuch erscheinen soll, haben mein Sprecher Micha, mein Produzent Niclas und ich das Hörbuch bereits produziert. Um genau zu sein, am 30.11. ist die Frist für das Mastering, am 2. Dezember bestellen wir das Probeexemplar. Am 19. Dezember müssen alle CDs da sein und von Hannover aus auf den Weg zu den Unterstützern.

  • Abschließend gehören dir die letzten Wörter: Das möchtest du unbedingt noch loswerden.

Ich freue mich über jeden und jede, die das „Hanover’s Blind“ Hörbuch unterstützt. Wenn wir die Produktionskosten reinbekommen, wird das Hörbuch selbstverständlich auf Spotify, Audible, iTunes und co zu hören sein. Barrierefreier geht’s nicht, oder? Daher freue ich mich über jede Spende, auch wenn es ein freier Spendenbetrag ist und der Unterstützer sich dann im Anschluss die kostenlose Spotify-Variante anhört. Wir brauchen Möglichmacher, um noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema und vor allem die Menschen zu generieren.

Wenn euch das Projekt gefällt dann könnt ihr es euch >HIER< noch einmal genauer anschauen. Vielen Dank für eure Unterstützung!

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