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Buchautorinterview: Dr. Hermann Rühle

Dr. Hermann Rühle, Buchautorinterview: Dr. Hermann Rühle

Vor kurzem durfte ich den Ratgeber von Dr. Hermann Rühle „Was bin ich? Wozu bin ich? Wie bin ich?“ lesen. Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen und ich konnte daraus auch positive Dinge für mein Leben ziehen. Daher habe ich mich sehr gefreut als der Autor sich für die Rezension bei mir bedankt hat. Und da ist mir dann auch die Idee dazu gekommen ein kleines Interview mit ihm zu machen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken!

Dr. Hermann Rühle, Buchautorinterview: Dr. Hermann Rühle

1. Du hast in deinem Leben zuerst eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen, anschließend noch ein BWL-Studium oben draufgesetzt und das ganze nochmal mit einem Psychologiestudium abgerundet. Wie passen BWL und Psychologie für dich zusammen, und warum hat dir ein reines BWL-Studium nicht ausgereicht?

Das BWL-Studium fand an der Fachhochschule (heute Hochschule) statt und dauerte sechs Semester. An die Fachhochschule kam man damals ohne Abitur. Mittlere Reife, Lehre und zweijährige Berufspraxis reichten. Der Fachhochschulabschluss galt dann als Abi-Ersatz und öffnete mir den Weg an die Uni. Mit meinen guten FHS-Abschlussnoten knackte ich locker den strengen Numerus Clausus für Psychologie. Jura und Medizin hätten mich auch interessiert, aber dazu hätte ich Latein lernen/nachholen müssen. Übrigens passen BWL und Psychologie gut zusammen. Ganz enge Verbindungen gibt es bei der Mitarbeiterführung, beim Marketing und auch die Börse besteht zum großen Teil aus Psychologie. Ich denke, ein zusätzliches Motiv für das Psycho-Studium war auch mein Interesse an Selbsterkenntnis.

2. Du warst lange Freiberufler und hast Mitarbeiter im Bereich Zeitmanagement und Kreativität geschult. Was hat dich angetrieben diese Erfahrungen in einem Buch zu verarbeiten und wie ist es zu deinem ersten Buch gekommen?

Als freiberuflicher Trainer sollte man auch etwas für sein Image tun. Da macht es sich nicht schlecht, wenn bei den Literaturempfehlungen zum Seminarthema ein Buch des Trainers dabei ist. Außerdem sind die vorhanden Bücher zum Thema oft einseitig und man möchte gerne seine eigene Sicht darstellen.

3. Bloggen ist eine ziemlich zeitintensive Arbeit und viele wissen dabei gar nicht, woher sie die Zeit nehmen können. Hast du Tipps, um sein eigenes Zeitmanagement zu optimieren und wie passt Improvisation zu dem Thema?

Erstens darf man sich nicht zu viel Zeit stehlen lassen. Dazu sollte man seine Ablenkungsbereitschaft zügeln und Dampfplauderern aus dem Weg gehen. Zweitens darf man sich nicht verzetteln, sondern sollte Prioritäten setzen und sich in der Kunst des Neinsagens üben. Drittens darf man sich nicht selbst im Wege stehen. Dazu sollte man wissen, wie man „tickt“. Ein Perfektionist muss sich zum „Gut ist gut genug“ zwingen, statt alles „verdummbessern“ zu wollen. Ein chaotischer Typ sollte sich eine Mindestordnung zulegen, z.B. mit kleinen Checklisten arbeiten, statt dauern Dinge vergessen. Das alte Pareto-Prinzip ist auch nicht zu verachten: In 20 % der Zeit schafft man meist 80 % des Ergebnisses. Bei einer Herzoperation kann man Pareto vergessen, aber in vielen Lebensbereichen bringt eine zeitraubende Überperfektion keinen Mehrwert.

4. Was fasziniert dich an Sachbüchern?

Leben heißt lernen. Mehr als durch Lesen lernt man durch Schreiben. Da halte ich mich an die Literaturkritikerin Sigrid Löffler: „Schreibe nicht über das, was du schon kennst. Schreibe über das, was du kennenlernen möchtest.“

5. Wie viel Freude hat dir das Schreiben an dem Buch bereitet und hat es dir selbst auch etwas genützt?

Besonderen Spaß macht mir immer Recherchieren, Materialsammeln, Gliedern und Strukturieren. Manchmal lese ich später einen gelungenen Satz oder Absatz und wundere und freue mich, dass ich ihn geschrieben habe. Am meisten genützt haben mir die gewonnenen Erkenntnisse zum Selbstwertgefühl. Wie es sich zusammensetzt und wie es um die Veränderungschancen bestellt ist.


Dr. Hermann Rühle, Buchautorinterview: Dr. Hermann Rühle

6. Warum ist es für den Menschen wichtig sich selbst zu verstehen und wie ist es zu diesem Buch gekommen?

Mich haben schon immer drei Themenbereiche besonders interessiert, daraus sind drei Bücher entstanden und ich habe anschließend verstanden, was das mit mir zu tun hat. Erstens: Wer ein richtiger Atheist werden will, sollte Theologie studieren. Ich bin eher ein Perfektionist und habe mit meinem ersten Buch über „Die Kunst der Improvisation“ versucht, auch meine unterbelichtete chaotisch-kreative Seite zu entdecken und zu stärken. Zweitens: Ich war immer bestrebt, sinnvoll mit meiner Zeit umzugehen und mich gut zu organisieren, habe während des Studiums nebenbei immer gut Geld verdient, das Studentenleben genossen und trotzdem gut abgeschlossen. Mein Interesse am sinnvollen Umgang mit der Zeit habe ich dann beruflich ausgeschlachtet. Im „Drehbuch für perfektes und chaotisches Zeitmanagement“ stehen meine gesammelten Erfahrungen als Trainer für Zeitmanagement und Kreativität. Drittens: Eigentlich wollte ich ein Buch über Geltungssucht schreiben, weil ich wissen wollte, was Angeber nötigt. Bald sind mir die Zusammenhänge zwischen Geltungsbedürfnis und Selbstsicherheit klar geworden und ich bin beim Thema „Identität“ gelandet. Dann stieß ich auf den Psychotherapeuten Raphael Bonelli. Der hat herausgefunden, dass Perfektionisten misstrauisch aber auch neidisch werden, wenn sie auf das Geltungsbedürfnis anderer Menschen stoßen. Sie neiden dem Angeber seine an den Tag gelegte Selbstsicherheit, sollten ihn aber bedauern, weil eher Selbstunsichere nach Geltung hungern.

7. Ist ein Status zu haben für dich wichtig und wo würdest du dich selbst auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten einordnen?

„Noch nie wurde ein Buch für Leser geschrieben. Dieses auch nicht. Bücher entstehen, weil ein Niemand mit dem Gefühl der eigenen Bedeutungslosigkeit nicht klar kommt und als Schriftsteller seinen Geltungsdrang befriedigen will. Je mehr Leser ihm auf den Leim gehen, desto höher die Auflage. Wenn es gut läuft, wird aus dem Buch ein Bestseller und aus dem Hochstapler, der es geschrieben hat, ein Bestsellerautor. Ein Niemand wird zum Jemand. Der berauscht sich an der Droge Aufmerksamkeit seiner lesenden Opfer. Aufmerksamkeit bedeutet Wertschätzung, befriedigt die Eitelkeit, stärkt das Selbstwertgefühl und schafft Identität. Ich schreibe, also bin ich!“

Mit diesen Sätzen wollte ich das Buch beginnen und andeuten, worum es darin geht. Leider hat mein Verleger diesen genialen Einstieg „kassiert“. Weil sich die Leser veralbert fühlen würden, hat er gemeint.

8. Hast du für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben Tipps, wie sie ohne großen Aufwand zu sich finden können?

Leider nein. So einfach geht es nicht. Die Suche nach der eigenen Identität ist eine lebenslange Aufgabe. Vielleicht doch ein Tipp, den ich am Ende des Buches gebe und den ich von Silke Heimes geborgt habe: Schreiben Sie für sich den Roman Ihres Lebens! Nehmen Sie Kontakt mit sich selbst auf, finden Sie Zugang zu Ihren inneren Kraftquellen, ordnen Sie Ihre Gedanken und Gefühle, finden Sie zu Ihren Wurzeln, erkennen Sie sich dabei selbst.

9. Wie ist die Resonanz auf das Buch und hast du dein Ziel damit erreicht?

Bisher erfreuen mich nur positive Rückmeldungen. Mein Ziel der Selbsterkenntnis habe ich auf jeden Fall erreicht und nebenbei meine Eitelkeit als Autor befriedigt. Mein Verleger betreibt einen kleinen aber feinen Verlag (dielus edition Leipzig) und schreibt auf der Verlags-Homepage, dass er sich keinen Flop erlauben darf und förmlich dazu verdonnert ist, auch wirklich jeden verlegten Buchtitel zum Verkaufserfolg zu machen. Dann hoffen wir mal schön!

10. Ist dieser Ratgeber dein letztes Buch oder werden noch weitere Bücher folgen?

Meine wichtigsten Themen sind erst einmal erledigt. Aber es gibt noch Ideen und ich bin offen für Neues und lasse es auf mich zukommen.

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