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Rezension: Das Leben in einem Atemzug

9783956142543_3DnVerlag: Antje Kunstmann
Autor: Neel Mukherjee
Titel: Das Leben in einem Atemzug
Seiten: 350

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Inhalt:

Was geschieht, wenn wir versuchen, das Leben, in dem wir zu Hause sind, für etwas Besseres zu verlassen? In fünf Schicksalen entfaltet sich in diesem Roman ein grandioses Panorama der modernen indischen Gesellschaft.

Neel Mukherjee erzählt in Das Leben in einem Atemzug von Menschen, die aufbrechen, ihr Zuhause verlassen, um für sich und ihre Familien ein besseres Leben zu erlangen. Da ist die Köchin in Mumbai, die in sechs Haushalten kocht; da ist der Mann, der mit seinem Tanzbär von Ort zu Ort zieht, da ist das Mädchen, das vor den Terroristen, die ihr Dorf bedrohen, in die Stadt flieht – sie alle erleben, was es bedeutet, nicht mehr im eigenen, vertrauten Umfeld zu sein. Ihre Schicksale erzählen von den Frösten der Freiheit, vom Fremd- und Alleinsein, von Armut und Arbeit. Aber auch von der Hoffnung und Glück. Ein atmosphärisch dichter Roman aus dem heutigen Indien, einer modernen Gesellschaft, in der die Schatten einer anderen noch deutlich spürbar sind. Leidenschaftlich und voller Empathie entfaltet sich in einem Reigen von Geschichten das unstillbare menschliche Streben nach einem anderen, besseren Leben.


Fazit:

Als er versuchte, die Rechnung zu prüfen, bevor er sie beglich – eine alte, ihm von seinem Vater eingeimpfte Angewohnheit, jede Rechnung kurz zu überfliegen, um sicherzugehen, dass er nicht übervorteilt worden war-, erkannte er, dass er die simple Aufgabe, die einzelnen Posten und die Steuer zu addieren, nicht mehr bewältigen konnte.

Ok, puh! Der Einstieg in das Buch ist mir aufgrund der Verschachtelung von Haupt- und Nebensätze nicht leicht gefallen. 13 Satzzeichen finde ich gleich im ersten Satz etwas zu viel. Der Einstieg sollte in meinen Augen prägnant, lustvoll sein und nicht langatmig, verwirrend. Aber nachdem ich mich ein paar Seiten eingelesen habe, hat sich mir die schöne und atemberaubende Welt Indiens eröffnet.

Ich war selber noch nicht in Indien und kenne es hauptsächlich durch den Film „Outsourced – Auf Umwege zum Glück“, jedoch sind die Beschreibung sehr, sehr malerisch in diesem Roman, sodass ich mir die Gegenden in dem Buch gut vorstellen konnte und sie mit meinem Vorstellungen von Indien authentisch übereinstimmen.

Für mich ist „Das Leben in einem Atemzug“ einer träumerische Geschichte, in der man sich verlieren kann. Sie lädt ein sich einfach nur treiben und sich subtil überraschen zu lassen. Tiefgreifende Charaktere, die sich mit der Zeit und den Umständen weiterentwickeln und Orte, die prächtiger nicht sein könnten.

Auf der anderen Seite ist „Das Leben in einem Atemzug“ aber auch gleichzeitig schockierend. Ich denke, jeder, der schon einmal Umgezogen ist, weiß, wie man sich fühlt, wenn man sich plötzlich in einem neuen Umfeld zurecht finden muss. Es ist nicht gerade einfach und mit Problemen verbunden. In der Geschichte hat Neel es geschafft, diese Ereignisse einfühlsam zu beschreiben.

Ausdauernde Leser, die an nachdenklichen Geschichten über das Leben interessiert sind, sind hier in meinen Augen richtig aufgehoben. Leser, die eher Spannung und viel Action erwarten sollten hier nicht zu greifen. Man begibt sich auf eine lange Reise, die sich detailliert mit dem Leben der Protagonisten auseinandersetzt.


574.jpgNeel Mukherjee wurde 1970 in Kalkutta geboren und studierte Englische Literatur in Oxford und Cambridge. Er hat bisher zwei Romane veröffentlicht, A Life Apart (2010), für den er mit dem Writers Guild of Great Britain Award ausgezeichnet wurde, und In Anderen Herzen (2016), der auf der Shortlist des Man Booker Prize stand und mit dem renommierten Encore Prize ausgezeichnet wurde. Er lebt in London.

2 Gedanken zu „Rezension: Das Leben in einem Atemzug

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